Krise als Katalysator/akuter Handlungsbedarf

Die Konzepte zur Digitalisierung unserer Schulen in Meerbusch basieren auf Annahmen und Überlegungen aus der Zeit vor den Schulschließungen im Rahmen des Lockdowns. Der Fokus lag auf Themen wie Präsentationstechnik (digitale Tafeln, Projektoren), leistungsfähige Internetanbindung und WLAN-Verfügbarkeit in den Schulen. Für die Beschaffung von in den Schulen zu nutzenden Endgeräten (Tablets, Notebooks), im besten Falle im Verhältnis 2 Schüler: 1 Gerät, war ein Zeitraum von mehreren Jahren vorgesehen.

Aufholjagd bei der Infrastruktur

Die Erfahrungen aus acht Wochen Homeschooling und Distance learning für Schüler von Klasse 1 bis Klasse 13 lassen die vorstehend umrissenen Konzepte Makulatur werden. Alle Fachleute gehen davon aus, dass auch nach den Sommerferien 2020 Unterricht im Schichtbetrieb stattfinden wird. Schülergruppen müssen abwechselnd im Schulunterricht und andere im digitalen Fernunterricht unterrichtet werden. Es besteht akuter Handlungsbedarf in Meerbusch! Die erfahrenen Meerbuscher Schulleiter gehen nach den zurückliegenden Wochen davon aus, dass mindestens 10% ihrer Schüler (das sind etwa 550 Kinder) zu Hause keinen Zugang zum Internet und/oder entsprechenden Endgeräten haben. Hier muss mit einem Leihgerätepool und entsprechender Internetanbindung unverzüglich geholfen werden. Nur so behalten auch diese Kinder weiterhin ihre Bildungschancen. Aus dem Leihgerätepool muss auch den Meerbuscher Familien geholfen werden, die nicht für jedes schulpflichtige Kind ein eigenes Arbeitsgerät zur Verfügung haben.

Beste Bildung darf nicht am Geld scheitern – das schulden wir unseren Kindern

Die Anbindung an leistungsstarke Internetzugänge wird bis Mitte des Jahres für alle Meerbuscher Schulen realisiert sein. Bis zum Start des neuen Schuljahres muss die Rechnerinfrastruktur in den Schulen so verbessert werden, dass digitaler Fernunterricht problemlos möglich ist. Auch die technische Ausstattung der Lehrer ist zu verbessern. Von welchem Arbeitnehmer sonst wird heute verlangt, dass er sein eigenes Werkzeug zur Erledigung seiner Arbeitsaufgabe an seinem Arbeitsplatz vorhält und dabei alle Vorschriften zum Datenschutz einhält? Auch die Lern- und Kommunikationsplattformen müssen in Zusammenarbeit mit leistungsfähigen Dienstleistern verbessert werden.

Wir dürfen kein Kind zurücklassen. Eine gute Schulbildung ist Grundstein und Voraussetzung für ein selbstbestimmtes,glückliches und erfolgreiches Leben. Es ist Verpflichtung unserer Stadtgesellschaft in Meerbusch, dies unseren Kindern zu ermöglichen. Dafür stehe ich und dafür kämpfe ich!

Wie soll das alles bezahlt werden in Zeiten von Steuerausfällen und stark sinkenden Einnahmen im Haushalt der Stadt Meerbusch? Die vorstehend beschriebenen Maßnahmen werden sehr viel mehr Geld kosten, als im Haushaltsplan 2020 bisher vorgesehen. Und dieses Geld wird sehr kurzfristig benötigt. Deshalb müssen alle geplanten und laufenden ausgabenintensiven Projekte neu bewertet und neu priorisiert werden. Sollten dies und die Fördermittel des Landes zur Finanzierung nicht reichen, ist eine Kreditaufnahme unumgänglich. Ich bin sicher, dass auch viele Meerbuscher Bürger und Unternehmen unseren Schulen bei der Bewältigung dieser neuen Herausforderung helfen.

Es ist keine Zeit zu verlieren, am 12.08.2020 beginnt das neue Schuljahr.

Herzliche Grüße 

Karl Trautmann

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