Geschichte der K9n

Am 6. Januar 2020 endete die öffentliche Auslegung des Bebauungsplans Nr. 281, der angibt, welche Nutzung auf der Gemeindefläche im Bereich „Auf dem Kamp/Kreisstraße K9n/2.Bauabschnitt“ zulässig ist. Historisch betrachtet ist die geplante K9n ein Relikt aus der Zeit, als Rat und Stadtverwaltung einen Siedlungsschwerpunkt Meerbusch-Mitte östlich der A57 mit ca. 9000 Einwohnern und ca. 4000 Arbeitsplätzen planten.

Die Planungen reichen bis in das Jahr 2002/2003 zurück. Die Vereinbarung zwischen der Stadt Meerbusch und dem Rhein-Kreis Neuss über den Bau der Straße stammt aus Dezember 2003 bzw. Januar 2004. Im Jahr 2011 wurden die Planungen für den Siedlungsschwerpunkt eingestellt und die K9n dient nur noch der verkehrlichen Versorgung von ca. 650 Einwohnern und einer vielleicht gleich großen Anzahl von Arbeitsplätzen im nördlichen, bereits weitgehend realisierten Wohn- und Gewerbegebiet.

Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten!

Die Notwenigkeit, den Aus- und Weiterbau dieser Straße zu betreiben, ist also entfallen. Dennoch treiben eine Mehrheit im Rat sowie die Stadtverwaltung die Planung voran. Dies ist fahrlässig – angesichts der Diskussion über Klimawandel und Verkehrswende. Und auch in Hinsicht auf die LKW-Fahrer aus dem Hafen Krefeld auf Abkürzungssuche, die Baukosten von mindestens 12 Millionen Euro, die negativen Auswirkungen auf Fauna und Flora sowie die Zunahme von Lärm und Luftschadstoffen entlang der geplanten Trasse. Und hatte der Rat der Stadt Meerbusch 2019 nicht eine Klimaresolution verabschiedet?

Schaut man in die vorgelegten Gutachten, kann man sich nur wundern. So wird die Frage nach der Fähigkeit einer dezentralen Versickerung von Niederschlagswasser auf den untersuchten Flurstücken aus hydrogeologischer Sicht bejaht. Allerdings basiert diese Einschätzung auf Datenmaterial, das deutlich alt ist und aus einer Zeit stammt, als  Starkregenereignisse nicht berücksichtig wurden (zur Beruhigung des Lesers sei erwähnt, dass die Stadtverwaltung bei Neubau oder Instandsetzung der Abwasserkanäle in Meerbusch Starkregenfällen längst Rechnung trägt und mit entsprechend größeren Leitungsquerschnitten bzw. Sammlergrößen arbeitet).

Gut gedacht ist nicht gut gemacht

Auf Seite 11 der Begründung des Planentwurfs 281 wird ausgeführt, dass „durch die Schaffung von attraktivem, zentrennahem Wohnraum für junge Familien und ältere Mitbürger in direkter Nähe der sozialen Infrastruktureinrichtungen nicht nur der absehbare Bedarf an Wohnbauflächen gedeckt, sondern darüber hinaus eine Attraktivierung der Stadt als Wohnstandort erzielt werden soll“.

Dieser löblichen Absicht steht leider auf Seite 26 die Feststellung entgegen, dass bei nächtlichen Schallbelastungen > 45 dB(A) für die Schlafräume im Baugebiet keine natürliche Fensterlüftung ohne geeignete Schallschutzmaßnahmen möglich ist. Da der Schallpegel über dem Grenzwert liegt, heißt das statt „Fenster auf“ nun Mehrfachverglasung und Be- und Entlüftungssysteme. Und das im gesamten Planungsgebiet für alle Schlafräume, damit der Innenraumpegel 30 dB(A) nicht überschritten wird (Seite 51/52).

„Stadt im Grünen“ aus der Goldfischperspektive

Für einige Teilbereiche im geplanten Gebiet kommt es aber noch schlimmer. Besser gesagt für die Zielgruppen junge Familien oder ältere Mitbürger. Denn um einen ausreichenden Schallschutz in Bereichen zu gewährleisten, in denen der Beurteilungspegel 62 dB(A) überschreitet, sind Außenwohnbereiche wie Balkone, Loggien oder Terrassen ausgeschlossen. Das betrifft die Flächen im Mischgebiet an der Meerbuscher Straße und einige Wohngebiete entlang der geplanten K9n.  

Insgesamt wurden in der Planung alle Register gezogen, um die geltenden Normen einzuhalten: Lärmpegel-Zu- und -Abschläge sowie massive, die zukünftigen Bewohner in diesem Bereich stark einschränkende Schallschutzmaßnahmen.

Im Ergebnis  führt das dazu, dass die „Stadt im Grünen“ aus der Perspektive eines Goldfischs im Glas erlebt wird. Mir liegt die Lebensqualität und unsere Umwelt in Meerbusch sehr am Herzen.
Auf den Weiterbau der K9n sollte verzichtet werden.

Herzliche Grüße

Karl Trautmann      

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